Ist Entnetzung noch möglich?

Prof. Dr.
Guido Zurstiege

Institut für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen 

Digitale Medien bereichern unser Leben und rufen zugleich ein wachsendes Gefühl eingeschränkter Selbstbestimmung in uns hervor. Sie bieten mehr von dem, was wir uns von Medien immer erhofft habe, zugleich konfrontieren sie uns mit einem wachsenden Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Mehr Produktivität, mehr Wissen, mehr Information, mehr Unterhaltung und soziale Teilhabe als jemals zuvor. Zugleich verdichten sich Diagnosen, die sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene auf Erschöpfung, Zynismus, Apathie und Resignation im Umgang mit digitalen Medien hinweisen. Wie kann dies beides zugleich sein? Wie können digitale Medien dazu beitragen, über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen, während sie zugleich Erfahrungen subjektiver Überforderung hervorbringen?

Ringvorlesung
im Sommer

Unsere Vorlesung „Medien, Macht und Menschlichkeit“ im Rahmen des Studium Generale der Universität Tübingen – ab April immer dienstags im Kupferbau.

Medien waren noch nie neutral: Sie sind politischer Machtfaktor, wirtschaftlicher Marktplatz und kultureller Mitgestalter unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie sind zugleich Gegenstand, Spiegel und Akteur kultureller und politischer Verhältnisse. Derzeit verändert sich unsere Medienlandschaft unter dem Einfluss der Digitalisierung rasant. Digitale Plattformen steuern Informationsflüsse, prägen soziale Beziehungen, verändern Geschäftsmodelle und beeinflussen die Dynamik öffentlicher Debatten. 

Algorithmen, Plattformmonopole und KI-generierte Inhalte bestimmen zunehmend, welche Themen sichtbar werden, welchen Stimmen Gehör bekommen oder welche Perspektiven am Rande der Wahrnehmung bleiben. Neue digitale Gewohnheiten und Abhängigkeiten setzen dabei nicht nur Medienschaffende und ihr journalistisches Ethos unter Druck, sondern wirken auf uns alle. 

Umso wichtiger ist es, die Rolle der Medien und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu verstehen.  

Wir laden dazu ein, gemeinsam zu reflektieren:  

  • Wie verändert sich die Medienwirtschaft – und mit ihr unser demokratisches Zusammenleben? 
  • Welche Macht entfalten Algorithmen und Deepfakes für die öffentliche Meinungsbildung und die Entstehung alternativer Öffentlichkeiten? 
  • Wie können Medien Räume für Dialog und eine konstruktive Streitkultur eröffnen, statt Polarisierung und Entfremdung zu verstärken? 

Nächste
Veranstaltungen

30. Juni

Game Over, Democracy? Willkommen in der Digitalokratie

apl. Prof. Dr. Martin Andree,
Institut für Medienkultur und Theater an der Universität Köln

7. Juli

Warum Geschichten überzeugen – Narrative Kognition und öffentliche Wirklichkeit

Prof. Dr. Markus Huff,
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Professor für Angewandte Kognitive Psychologie an der Universität Tübingen

14. Juli

Journalistisches Ethos im Überlebenskampf der lokalen Zeitungen

Dr. Gernot Stegert,
Mitglied der Chefredaktion SDZ Mediengruppe Aalen

21. Juli

Öffentlich-Rechtlicher Journalismus zwischen Freiheit und demokratischem Auftrag

Stefanie Schneider,
Landessenderdirektorin SWR

Datum:

23.06.2026 - 18:15 - 19:45

Ort:

Kupferbau, Universität Tübingen, Hörsaal 25