Wem gehören die Medien?

Medienbesitzverhätnisse & Medieneigentum
im Technofeudalismus

Prof. Dr. Martina
Thiele

Institut für Medienwissenschaften, Universität Tübingen

Viele Diskussionen drehen sich derzeit um „die“ Medien, um Plattformisierung, Digitalisierung und KI. Dabei suchen wir als Gesellschaft Antworten auf medienethische und medienrechtliche Fragen; medienökonomische Zusammenhänge und speziell die Frage nach Medieneigentum und Medienbesitzverhältnissen kommen dabei jedoch häufig zu kurz. Den Gründen für dieses Ausblenden und Nicht-Thematisieren des „who owns the media“ nachzuspüren, ist ein Anspruch des Vortrags. Ein weiterer, einen Überblick darüber zu geben, wer dennoch wie mit welchen Ergebnissen zu Medieneigentum und -besitzverhältnissen forscht. Schon diese Ergebnisse sollten uns nachdenklich stimmen. Sie deuten auf gesellschaftlichen wie politischen Handlungsbedarf. Wir benötigen mehr medienökonomische Forschung zu Medieneigentum, Medienstrukturen und Medienkonzentrationsprozessen, um dem entgegenzuwirken, was der Philosoph Jürgen Habermas in seinem berühmten Werk „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962) mit der These über die „Refeudalisierung der Öffentlichkeit“ angesprochen und kritisiert hat.

Ringvorlesung
im Sommer

Unsere Vorlesung „Medien, Macht und Menschlichkeit“ im Rahmen des Studium Generale der Universität Tübingen – ab April immer dienstags im Kupferbau.

Medien waren noch nie neutral: Sie sind politischer Machtfaktor, wirtschaftlicher Marktplatz und kultureller Mitgestalter unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie sind zugleich Gegenstand, Spiegel und Akteur kultureller und politischer Verhältnisse. Derzeit verändert sich unsere Medienlandschaft unter dem Einfluss der Digitalisierung rasant. Digitale Plattformen steuern Informationsflüsse, prägen soziale Beziehungen, verändern Geschäftsmodelle und beeinflussen die Dynamik öffentlicher Debatten. 

Algorithmen, Plattformmonopole und KI-generierte Inhalte bestimmen zunehmend, welche Themen sichtbar werden, welchen Stimmen Gehör bekommen oder welche Perspektiven am Rande der Wahrnehmung bleiben. Neue digitale Gewohnheiten und Abhängigkeiten setzen dabei nicht nur Medienschaffende und ihr journalistisches Ethos unter Druck, sondern wirken auf uns alle. 

Umso wichtiger ist es, die Rolle der Medien und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu verstehen.  

Wir laden dazu ein, gemeinsam zu reflektieren:  

  • Wie verändert sich die Medienwirtschaft – und mit ihr unser demokratisches Zusammenleben? 
  • Welche Macht entfalten Algorithmen und Deepfakes für die öffentliche Meinungsbildung und die Entstehung alternativer Öffentlichkeiten? 
  • Wie können Medien Räume für Dialog und eine konstruktive Streitkultur eröffnen, statt Polarisierung und Entfremdung zu verstärken? 

Nächste
Veranstaltungen

5. Mai

Zwischen Schutz und Teilhabe: Kinder in digitalen Öffentlichkeiten

Prof. Dr. Jessica Heesen,
Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften an der Universität Tübingen

12. Mai

Umkämpfte Öffentlichkeiten, gefährdete Demokratie

Prof. Dr. Tanja Thomas,
Institut für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen

19. Mai

(Un-)Menschlichkeit im digitalen Zeitalter - Zu einer Ethik der Künstlichen Intelligenz

Prof. Dr. Petra Grimm,
Hochschule der Medien in Stuttgart

26. Mai

Pfingstpause

2. Juni

Die Macht der Mimesis – Medien zwischen Dialog und Hetze

Dr. Michael Blume,
Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Baden- Württemberg

9. Juni

Was gesagt werden darf: Normative Grenzen in massenmedialen Diskursen deutscher Talkshows

Hanna Hecker,
Institut für Politikwissenschaft an Universität Tübingen

16. Juni

Voice-basierte KI und mentale Gesundheit

Maximilian Zhang,
Institut für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen

23. Juni

Ist Entnetzung noch möglich?

Prof. Dr. Guido Zurstiege,
Institut für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen 

30. Juni

Game Over, Democracy? Willkommen in der Digitalokratie

apl. Prof. Dr. Martin Andree,
Institut für Medienkultur und Theater an der Universität Köln

7. Juli

Warum Geschichten überzeugen – Narrative Kognition und öffentliche Wirklichkeit

Prof. Dr. Markus Huff,
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Professor für Angewandte Kognitive Psychologie an der Universität Tübingen

14. Juli

Journalistisches Ethos im Überlebenskampf der lokalen Zeitungen

Dr. Gernot Stegert,
Mitglied der Chefredaktion SDZ Mediengruppe Aalen

21. Juli

Öffentlich-Rechtlicher Journalismus zwischen Freiheit und demokratischem Auftrag

Stefanie Schneider,
Landessenderdirektorin SWR

Datum:

28.04.2026 - 18:15 - 19:45

Ort:

Kupferbau, Universität Tübingen, Hörsaal 25