Claus Dierksmeier hält zehnte Weltethos-Rede

Mit der zehnten Weltethos-Rede am 17.04.2012 setzte sich eine Tradition an der Universität Tübingen fort. Claus Dierksmeier, der frisch berufene Direktor des neu gegründeten Weltethos-Instituts stellte dabei den Gedanken in den Vordergrund, dass es einen globalen Konsens zur Lösung globaler Probleme benötigt.

Der Abend begann mit Grußworten von Rektor Engler, Ministerpräsident Kretschmann und Professor Küng. Alle drei betonten dabei die Relevanz und Aktualität der Weltethos-Idee in wirtschaftlich und politisch angespannten Zeiten. Rektor Engler lobte dabei die gute Zusammenarbeit zwischen der Karl Schlecht Stiftung, der Weltethos Stiftung und der Universität. Ministerpräsident Kretschmann griff Professor Küngs Äußerung von einem „Glücksfall sondergleichen“ hinsichtlich der Gründung des Weltethos-Instituts sowie der internationalen Vernetzung, insbesondere mit der Universität Peking, auf. In allen drei Grußworten dankten die Redner auch Professor Schlecht und dessen Stiftung für die großzügige finanzielle Unterstützung und drückten ihre besten Wünsche für Dierksmeier und das Weltethos Institut aus.

In seiner Weltethos-Rede zeichnet Dierksmeier das Bild einer tiefgreifend veränderten Welt: Globale Vernetzung, digitale Kommunikation und neue Akteure – von Unternehmen bis zu sozialen Netzwerken – lösen traditionelle Strukturen zunehmend auf. Die Welt sei nicht mehr nur „globalisiert“, sondern bereits von umfassender „Globalität“ geprägt, in der lokale Entscheidungen weltweite Folgen haben.

Diese neue Realität zwinge Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Umdenken: Handlungen müssten stärker in ihren globalen Auswirkungen bewertet werden. Probleme wie Klimawandel oder Ressourcenverbrauch machten deutlich, dass nationale Grenzen an Bedeutung verlieren und eine „Weltinnenpolitik“ entstehe.

Im Zentrum seiner Argumentation steht die Forderung nach einer ethisch verantworteten Freiheit. Wirtschaft dürfe sich nicht allein an Gewinnmaximierung orientieren, sondern müsse die Freiheit aller Menschen berücksichtigen. Entscheidend sei dabei nicht die Menge an Optionen, sondern die Qualität der Freiheit – also ob wirtschaftliches Handeln zu mehr Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Teilhabe beiträgt.

Dierksmeier plädiert deshalb für ein neues Verständnis von Wirtschaftsethik: Unternehmen und Entscheidungsträger sollen sich als Teil einer globalen Verantwortungsgemeinschaft begreifen. Ziel sei eine Wirtschaftsweise, die auf Dialog, Menschenwürde und langfristige Verantwortung ausgerichtet ist.

Nach der Rede stellte Küng fest, Dierksmeier sei in Tübingen angekommen und lobte die von Dierksmeier entfalteten Argumente. Im anschließenden Gespräch zwischen Dierksmeier und Küng wurden nochmal zentrale Punkte der Rede sowie deren praktische Implikationen erörtert. Für geladene Gäste endete der Abend mit einer Feier im neuen Weltethos-Institut in der Hinteren Grabenstraße.