
In Zeiten geopolitischer Spannungen und (medial) verschärfter gesellschaftlicher Debatten schwindet die Toleranz und mit ihr die Pluralitätsfähigkeit. Aktuell sogar in der Form, dass Diversität selbst zum Kampfbegriff geworden ist. Das ist ein guter Moment, um ein erweitertes Verständnis von und einen produktiveren Umgang mit Vielfalt zu entwickeln. In ihrem neuen Aufsatz im Sammelband Wandel mit Freude (Winz et al, Juli 2025) bietet Kommunikationsleiterin Anna Tomfeah hier eine frische Perspektive: Sie verbindet Chantal Mouffes Agonismus-Ansatz mit Hans Küngs Weltethos-Idee und denkt Diversity-Management als Ressource für Innovation in Unternehmen, für die Stärkung demokratischer Streitkultur und die Bewältigung globaler Krisen.
Mit Weltethos die Zukunft gestalten
Die großen globalen Herausforderungen – Kriege, Migration, Klimakrise, Verfolgung und Diskriminierung oder wirtschaftliche Unsicherheiten – sind mehr als nur Nachrichten. Sie haben konkrete Auswirkungen auf die Orte, an denen wir leben und arbeiten. Hinzu kommt, dass wir aufgrund der Vielfalt menschlicher Hintergründe auch aus unterschiedlichen Perspektiven auf diese Herausforderungen blicken. Wie also können wir ihnen im Alltag so begegnen, dass aus unseren unterschiedlichen Sichtweisen eine gemeinsame Zukunftsvision entsteht?
Hier ist ein erweitertes Verständnis von Diversitätsmanagement erforderlich, mithilfe dessen sich die Vielfalt der Themen mit der Fülle an Weltanschauungen konstruktiv in den Dialog bringen lässt. Doch das ist leichter gesagt als getan. Erstens sind die globalen Herausforderungen gewaltig. Und zweitens lässt sich Diversity Management – obwohl es viel beschworen und regulatorisch mitunter eingefordert wird – in der Praxis oft schwer umsetzen. Inwiefern es gelingen kann, scheint davon abzuhängen, ob und unter welchen Bedingungen Vielfalt in unterschiedlichen Kontexten und mit Blick auf vielfältige Problemlagen zum Treiber für Innovation und gemeinsame Ziele werden kann. Davon, wie man trotz Differenzen im Dialog über eine lebenswerte Zukunft miteinander gestaltend aktiv wird. Das ist keine einfache, doch eine dringend erforderliche Aufgabe, vor der wir alle stehen.
Mit diesem Beitrag soll daher ein Verständnis von Diversity und Dialog-Management für die Praxis vorgeschlagen werden, das am Leitfaden des Projekt Weltethos von Hans Küng und in Anerkennung einiger interdisziplinärer theoretischer Grundlagen versucht, menschliche Vielfalt mit Blick auf eine Fülle an globalen Herausforderungen konstruktiv zu verschränken. Es geht darum, herauszufinden, wie sich Diversitätsmanagement in Anerkennung von Differenz so gestalten lassen könnte, dass eine gemeinsame Gestaltung der Zukunft als machbar und erstrebenswert erlebt werden kann. Und es geht vor allem darum, dies aktiv an denjenigen Orten zu probieren, an denen wir einen Großteil unserer Lebenszeit verbringen: In der Arbeitswelt.
Über das Buch „Wandel mit Freude“ (Winz et al, 2025)

In einer Welt des ständigen Wandels zeichnen sich die stärksten und resilientesten Unternehmen durch eine klare Zukunftsvision aus: Der Wandel wird als treibende Kraft für Wachstum, positive Veränderung und als Katalysator für Innovation und Verantwortung verstanden. Der technologische Fortschritt, gesellschaftliche Transformationen und volatile Märkte verlangen von Unternehmen eine ständige Anpassung und Weiterentwicklung. Dieses Buch will eine Einladung zum Handeln sein – Impulsgeber, um eine zukunftsfähige Welt gestaltbar zu machen. Die hier geteilten Gedanken basieren auf den gemeinsamen Erfahrungen und dem Austausch innerhalb des Netzwerks der Zukunftszeichner – Köpfe der Veränderung, die mit ihrer Expertise, Begeisterung und Haltung den Wandel vorantreiben und zukünftige Unternehmenserfolge sichern. Sie bieten wertvolle Einsichten und konkrete Wege, wie wir eine Zukunft schaffen können, die nicht nur digital und technologisch fortschrittlich, sondern auch menschlich und nachhaltig ist. Zahlreiche Denkanstöße und Handlungsempfehlungen unterstützen UnternehmerInnen, GeschäftsführerInnen, EntscheiderInnen in Organisationen und alle, die die Zukunft aktiv gestalten wollen. Mit Zukunftsfreude.
Foto: Philipp Sigle / Weltethos-Institut, SpringerGabler