An-Institut der Stiftung Weltethos
an der Universität Tübingen

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Medien, Macht & Menschlichkeit – Jahresthema 2026

Unter dem Titel Medien, Macht & Menschlichkeit beleuchtet das Weltethos-Institut im Jahr 2026, wie sich unsere Medienlandschaft verändert hat – und was das für Journalist*innen, aber auch für unsere Demokratien und unser Miteinander bedeutet. Neben den ökonomischen und politischen Veränderungen prägt vor allem die technologische Transformation die Bedingungen öffentlicher Kommunikation. Denn digitale Plattformen strukturieren heute nicht nur Informationsflüsse, sondern auch soziale Beziehungen, wirtschaftliche Märkte, und politische Entscheidungsprozesse. Sie beeinflussen, was wir wissen, wem wir glauben und wie wir miteinander umgehen.

Damit rücken Fragen in den Fokus, die für das Weltethos-Institut zentral sind: die nach Wahrhaftigkeit, Dialogfähigkeit, Fairness und Verantwortung. Denn die Medienwirtschaft ist nicht neutral: Sie ist Machtfaktor, Marktplatz und Mitgestalterin gesellschaftlichen Miteinanders. Wenn im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Marktanteile Reichweite oft wichtiger ist als Faktenbezug und Emotionalisierung schneller wirkt als Argumente, stellt sich die Frage: Welche Verantwortung tragen Medienschaffende? Aber eben auch: Welche Verantwortung tragen wir im Umgang mit ihnen?

Denn zur Wahrheit gehört auch: Medienschaffende stehen unter Druck – nicht nur politisch und gesellschaftlich, sondern zunehmend auch ökonomisch und digital. Redaktionen kämpfen mit schwindenden Geschäftsmodellen, mit der Konkurrenz um digitale Aufmerksamkeit und mit Plattformlogiken, die ihre Arbeit zugleich nötig und prekär machen. Gerade Tageszeitungen spüren, wie alte Einnahmequellen versiegen und neue digitale Abhängigkeiten entstehen. Zugleich sind die Anforderungen an und Anfeindungen gegen Journalist*innen enorm gestiegen. Und oft wird schon die Grundlage einer geteilten Wahrheit oder der Möglichkeit Objektivität anzustreben, in Frage gestellt. Wie lässt sich damit umgehen?

Bei Medien, Macht & Menschlichkeit geht es also nicht nur um das Berufsethos von unterschiedlichen Medienschaffenden, sondern auch um Geschäftsmodelle von Plattformen, Marktlogiken und ordnungspolitische Rahmenbedingungen. Sie verändern die kommunikativen Gewohnheiten, die unser friedliches, demokratisches Zusammenleben prägen, eine Kultur des Dialogs ausmachen und die Wahrnehmung globaler Chancen und Krisen weltweit verändern. Zugleich ist der Medienwandel kein rein europäisches oder nordamerikanisches Phänomen. Der globale Norden prägt technische Standards und normative Leitbilder, während autoritäre Modelle in China und Russland alternative Öffentlichkeiten formen. Das Jahresthema lädt dazu ein, diese globalen Dynamiken im Lichte weltbürgerlicher Verantwortung zu reflektieren.

Wie also können Medienakteure anständig wirtschaften – und in globaler Verantwortung handeln? Mit dieser Frage wendenwir uns ausdrücklich auch an die Medienwirtschaft als gesellschaftlichen Akteur und als entscheidende Instanz bei der Aushandlung unserer Werte, unseres Vertrauens und unserer Zukunftsfähigkeit.

Medien im Spannungsfeld von Wirtschaft & Gesellschaft

Das Weltethos-Institut versteht Medien nicht nur als Spiegel der Gesellschaft, sondern auch als Schule demokratischer Gewohnheiten und entscheidende Instanz bei der Aushandlung unserer Werte, unseres Vertrauens und unserer Zukunftsfähigkeit. Wir nehmen drei zentrale Dimensionen öffentlicher Kommunikation in den Blick:

Medien & Macht

Wie wir wirtschaften, beeinflusst unmittelbar, wie wir demokratisch miteinander umgehen. Für die Wechselwirkung zwischen Plattformökonomie und demokratischer Öffentlichkeit heißt das: Wie formen Medien politische Meinungsbildung, gesellschaftliche Stimmungen und wirtschaftliche Interessen? Welche Rolle spielen Algorithmen, Plattformmonopole und neue Formen der Einflussnahme – etwa durch Deepfakes oder KI-generierte Inhalte?

Medien & Menschlichkeit

Unsere Gewohnheiten der Aufmerksamkeit, des Urteilens und des Umgangs miteinander verändern sich: Was macht digitale Kommunikation mit unserer Fähigkeit zu Empathie, Zuhören und Perspektivwechsel? Wie können Medien Räume des Dialogs schaffen und eine wahrhaftige Streitkultur fördern statt Polarisierung und Entfremdung?

Medien & Verantwortung

Individuelle, professionelle und institutionelle Verantwortung brauchen eine neue Balance. Was bedeutet verantwortungsvolle Kommunikation im Zeitalter von Reizüberflutung, Desinformation und Filterblasen? Brauchen wir strengere Regulierungen großer Plattformbetreiber – gerade mit Blick auf jüngere Generationen und gesellschaftlichen Zusammenhalt? Und was erwarten wir von privaten, was von öffentlich-rechtlichen Anbietern am Medienmarkt?

Herzliche Einladung

Entlang dieser Themen wollen wir im kommenden Jahr bei unseren Diskussions- und Bildungsveranstaltung gemeinsam mit Ihnen dazulernen und können deshalb jetzt schon sagen: Wir freuen uns, wenn Sie sich 2026 mit uns auf diese Lernreise begeben!