Eine neu erschienene internationale Vergleichsstudie mit Daten aus 171 Ländern zeigt: Gesellschaftlicher Zusammenhalt und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hängen enger zusammen, als bislang angenommen. Die Ergebnisse der Studie, die Nils Goldschmidt, Direktor des Weltethos-Instituts und Mitglied im Ethikrat, zusammen mit Marius May, Theo Bolin Simon und Dominik Enste für das Roman Herzog Institut erarbeitet hat, zeigen einen positiven exponentiellen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Zusammenhalt und Wirtschaftsleistung.
Der starke positive Zusammenhang wird – deshalb ein exponentieller Zusammenhang – erst ab einem gewissen Schwellenwert für gesellschaftlichen Zusammenhalt sichtbar.
In diesem Sinne gilt: Gesellschaftlicher Zusammenhalt und wirtschaftlicher Erfolg müssen zusammen gedacht werden. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass zunächst das Zusammenspiel verschiedener inklusiver Institutionen gelingen muss, bevor es sichtbare Effekte auf die Wirtschaftsleistung gibt.
Deutschland blieb trotz Finanzmarkt- und Eurokrise, Migration und Pandemie wirtschaftlich stabil, konnte den gesellschaftlichen Zusammenhalt ausbauen und zählt in den untersuchten Dimensionen weiterhin zu den führenden Nationen weltweit. Weiterhin profitieren EU-Mitgliedstaaten im Durchschnitt von stärkeren Institutionen, während Nicht-EU-Länder zurückfallen. Für Europa verdeutlichen Polen und Ungarn, wie politische Eingriffe in Rechtsstaat und Institutionen den Zusammenhalt schwächen und auch die wirtschaftliche Entwicklung bremsen.
Internationale Vergleiche zeigen unterschiedliche Dynamiken: In den USA steigt die Wirtschaftsleistung trotz sinkenden Zusammenhalts – getragen von historisch gewachsenen Institutionen, deren Stabilität jedoch fragil ist. China scheint hingegen trotz starken Wachstums an eine »gläserne Decke« zu stoßen, solange der gesellschaftliche Zusammenhalt stagniert. Südafrika verfehlte nach anfänglichen Fortschritten den nachhaltigen Entwicklungspfad, da Ungleichheit, Gewalt und schwache Institutionen den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben.
Die Studie zeigt insgesamt: Investitionen in gesellschaftlichen Zusammenhalt sind kein Idealismus, sondern ein harter ökonomischer Faktor.
Die Studie zeigt insgesamt: Investitionen in gesellschaftlichen Zusammenhalt sind kein Idealismus, sondern ein harter ökonomischer Faktor. Für die Wirtschaftspolitik folgt: Institutionen müssen gestärkt, demokratische Verfahren gesichert und soziale Teilhabe gezielt gefördert werden. Deutschland und die Europäische Union sollten hierbei, wie bei den EU-Digitalgesetzen, selbstbewusst ihren wirtschaftspolitischen Kurs weiterverfolgen. Offene, freiheitliche Gesellschaften sind gerade auch wegen ihres Zusammenhalts wirtschaftlich erfolgreich.