Institutionelle verpflichten sich dem Klimawandel Evi Vogl, Deutschlandchefin von Europas größtem Asset Manager Amundi ( 45,8 Mrd. € verwaltetes Vermögen), bricht in einem Gastbeitrag für die Börsenzeitung eine Lanze für klimaschonende, nachhaltige Investitionen. Sie seien eine Aufgabe für Staaten, Unternehmen und Gesellschaft; dazu seien Veränderungen in den Risikomanagements notwendig. Dreierlei Risiken zählt Vogl auf:
Ein Investment nach ESG-Kriterien ist jedoch laut Vogl „viel mehr als die Beteiligung an einer Wachstumsstory. Immer stärker entscheiden die nichtfinanziellen Aspekte über die Entwicklung des Unternehmenswerts. Neben Bonitäts- und Finanzratings ist das Nachhaltigkeitsrating eines Emittenten zu einem wichtigen Element bei Anlageentscheidungen geworden“. So sei gesellschaftliches und soziales Engagement, kombiniert mit einem Best-in-Class-Ansatz, zu einem „hochwirksamen Katalysator für Veränderung und Fortschritt“ geworden. Führende Vermögensverwalter hätten für die Analyse von Investments nach ESG-Kriterien bereits spezielle, von digitalen Technologien und Anbietern nichtfinanzieller Daten unterstützte Teams eingesetzt. Außerdem helfen sie Anlegern, Aktionären und anderen Bezugsgruppen dabei, Einfluss auf das verantwortungsbewusste Verhalten von Unternehmen auszuüben. Am 30.06.2018 waren nach Informationen des Sustainable Business Institute (SBI), Herausgeber der Marktplattform nachhaltiges-investment.org, insgesamt 501 nachhaltige Publikumsfonds in Deutschland, Österreich und/oder der Schweiz zum Vertrieb zugelassen. Diese Fonds waren zum 30.06.2018 mit ca. 118 Mrd. Euro (Gesamtfondsvermögen) investiert. (Ende 2017 hatte das SBI 482 Fonds registriert, die mit insgesamt ca. 106 Mrd. Euro Gesamtfondsvermögen investiert waren). Aus Kurzfristigkeit wird allmählich Langfristigkeit Inzwischen sei der Klimawandel in den Fokus von Anlegern und Investoren gerückt. Die Einsicht, dass man zu den eher kurzsichtigen Parametern der Finanzmärkte auch langfristige Risiken berücksichtigen muss, setzt sich durch. Denn wenn ein Investment sicher sein solle, dürfe man nicht allein auf die Rendite schauen. Kurzfristigkeit: Wenn es Spaß machen würde, sich mit dem Hammer auf den Daumen zu schlagen, der Schmerz aber erst zwei Jahre später einträte – wir täten’s unentwegt. (Nach Dieter E. Zimmer, Die Zeit) Vogl formuliert sehr zurückhaltend: „Langfristig erfolgreich werden nur die Investoren sein können, die ihre Anlagestrategie von Klimarisiken minimieren. Die Beteiligung an Firmen mit hoher Treibhausgasemission zum Beispiel kann sich so auf lange Sicht gesehen nachteilig auswirken. Risikomanager müssen daher möglichst schnell und umfassend geschult werden, um die zurzeit oft noch vorhandenen Kenntnislücken zu füllen. Auch neue Standards im Reporting helfen, Risiken schneller zu erkennen und besser gegenzulenken. Aktuell entwickeln besonders französische Unternehmen ihre Rechenschaftsberichte mit Blick auf Umweltrisiken intensiv weiter.“ So konzentrieren sich mehr und mehr institutionelle Anleger auf CO2-arme oder -neutrale Aktienanlagen. Institutionelle Investoren wie Stiftungen und Kirchen berücksichtigen ESG-Kriterien traditionell schon lange. Nun entdeckten auch Unternehmen, Versicherungen und Versorger dieses wichtige Thema. In Deutschland ständen allerdings viele professionelle Anleger noch am Anfang. Dabei sei klar, dass nur durch konzertierte gemeinsame Anstrengungen aller Marktteilnehmer die negativen Auswirkungen des Klimawandels eingedämmt werden könnten. Siehe auch: Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating, bisher an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität (heute Weltethos-Forschungsgruppe Wirtschaft und Finanzen am Weltethos-Institut der Tübinger Universität) ->Quellen:
Dr. Hofmann war bis 2008 TV-Redakteur, u.a. ARD-Korrespondent Südamerika und Chefreporter SWF, Chefkorrespondent n-tv und RTL. Als Chef der Agentur Zukunft, berät im Bereich der erneuerbaren Energien und Nachhaltigen Entwicklung, u.a. die Desertec Initiative Dii, das IASS Potsdam, acatech und die Max-Planck-Gesellschaft.
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