Die Macht der Mimesis

Medien zwischen Dialog und hetze

Dr.
Micheal Blume

Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Baden- Württemberg

Der medienpsychologische Begriff der Mimesis entstammt bereits der griechischen Antike, in der über Wert und Wirkung der Religion und des Theaters debattiert wurde. Im 20. Jahrhundert wurde Mimesis als Veranlagung zur Nachahmung von Zielen u. a. von Theodor Adorno und Max Horkheimer in der Kritischen Theorie wieder aufgenommen, um die Auswirkungen von Kulturindustrie und Werbung (damals „Reklame“) sowie die Psychologie des Antisemitismus zu erfassen. René Girard befürchtete einen mimetischen Zusammenbruch freier Gesellschaften und inspirierte damit US-Rechtsdenker wie Peter Thiel („Palantir“). Dr. Michael Blume führt in die Bedeutung der Mimesis ein, ohne die weder Macht noch Medien zu verstehen seien, die aber auch nicht unser Schicksal bestimmen müsse.

Ringvorlesung
im Sommer

Unsere Vorlesung „Medien, Macht und Menschlichkeit“ im Rahmen des Studium Generale der Universität Tübingen – ab April immer dienstags im Kupferbau.

Medien waren noch nie neutral: Sie sind politischer Machtfaktor, wirtschaftlicher Marktplatz und kultureller Mitgestalter unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie sind zugleich Gegenstand, Spiegel und Akteur kultureller und politischer Verhältnisse. Derzeit verändert sich unsere Medienlandschaft unter dem Einfluss der Digitalisierung rasant. Digitale Plattformen steuern Informationsflüsse, prägen soziale Beziehungen, verändern Geschäftsmodelle und beeinflussen die Dynamik öffentlicher Debatten. 

Algorithmen, Plattformmonopole und KI-generierte Inhalte bestimmen zunehmend, welche Themen sichtbar werden, welchen Stimmen Gehör bekommen oder welche Perspektiven am Rande der Wahrnehmung bleiben. Neue digitale Gewohnheiten und Abhängigkeiten setzen dabei nicht nur Medienschaffende und ihr journalistisches Ethos unter Druck, sondern wirken auf uns alle. 

Umso wichtiger ist es, die Rolle der Medien und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu verstehen.  

Wir laden dazu ein, gemeinsam zu reflektieren:  

  • Wie verändert sich die Medienwirtschaft – und mit ihr unser demokratisches Zusammenleben? 
  • Welche Macht entfalten Algorithmen und Deepfakes für die öffentliche Meinungsbildung und die Entstehung alternativer Öffentlichkeiten? 
  • Wie können Medien Räume für Dialog und eine konstruktive Streitkultur eröffnen, statt Polarisierung und Entfremdung zu verstärken? 

Die Aufzeichnungen der bisherigen Veranstaltungen finden Sie auf TIMMS, dem Tübinger Internet MultiMedia Server.

Nächste
Veranstaltungen

9. Juni

Was gesagt werden darf: Normative Grenzen in massenmedialen Diskursen deutscher Talkshows

Hanna Hecker,
Institut für Politikwissenschaft an Universität Tübingen

16. Juni

Voice-basierte KI und mentale Gesundheit

Maximilian Zhang,
Institut für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen

23. Juni

Ist Entnetzung noch möglich?

Prof. Dr. Guido Zurstiege,
Institut für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen 

30. Juni

Game Over, Democracy? Willkommen in der Digitalokratie

apl. Prof. Dr. Martin Andree,
Institut für Medienkultur und Theater an der Universität Köln

7. Juli

Warum Geschichten überzeugen – Narrative Kognition und öffentliche Wirklichkeit

Prof. Dr. Markus Huff,
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Professor für Angewandte Kognitive Psychologie an der Universität Tübingen

14. Juli

Journalistisches Ethos im Überlebenskampf der lokalen Zeitungen

Dr. Gernot Stegert,
Mitglied der Chefredaktion SDZ Mediengruppe Aalen

21. Juli

Öffentlich-Rechtlicher Journalismus zwischen Freiheit und demokratischem Auftrag

Stefanie Schneider,
Landessenderdirektorin SWR

Datum:

02.06.2026 - 18:15 - 19:45

Ort:

Kupferbau, Universität Tübingen, Hörsaal 25