
Prof. Dr. Susanne Marschall,
Institut für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen
Erzählungen von ungewöhnlichen Freundschaften finden sich in der Filmgeschichte in Hülle und Fülle – ob im Spiel-, Dokumentar- oder Animationsfilm. In Culture-Clash-Komödien, melodramatischen Liebesfilmen oder den nach dem Thema Freundschaft benannten Buddy Movies treffen immer wieder Fremde aufeinander, die zunächst eigentlich nichts miteinander zu tun haben möchten. Bis eine „unterhaltsame“ Hassliebe entflammt und schließlich geschieht, was wir von Beginn des Films ahnen: Eine tiefe, echte Freundschaft oder gar Liebe entwickelt sich, und das Happy End ist perfekt. Eine Brücke wurde gebaut – stabil und begehbar.
Die Dramaturgie des Brückenbauens und somit der Freundschaft im Film ist allerdings nicht so simpel, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Viele Filme handeln zugleich von einer Öffnung nach innen, einer Reise zu MIR, bevor die Reise zu DIR glücken kann. Und genau an dieser Stelle setzen auch viele Dokumentarfilme an, die sich der Vielfalt zwischenmenschlicher Beziehungen widmen. Kein Drehbuch gibt hier den Weg vor, skizziert das ZWISCHEN UNS, in dem wir es uns einfach bequem machen können.
Der Vortrag begibt sich auf die Suche nach den Spuren der Freundschaft anhand ausgewählter Filmbeispiele aus allen Filmgattungen, darunter u. a. Peter Cattaneos Spielfilm The Penguin Lessons (2024), Volker Koepps Dokumentarfilm Herr Zwilling und Frau Zuckermann (1999) oder Adam Elliots Animationsfilm Mary and Max (2009). Ich widme mich der filmischen Inszenierung von Zwischenmenschlichkeit sowie von Selbst- und Fremdbegegnung und zeige die immersiven Mittel der Filmkunst auf, die uns etwas spüren lassen, während wir fremden Geschichten auf der Leinwand folgen. Diese Geschichten wurden durch die Arbeit der Kamera, durch Montage, Farbe, Stimme und Musik geformt, sodass wir uns ihrer Magie nicht entziehen können. Im besten Falle geben uns Filme zu denken und lassen uns auch nach dem Verlassen des Kinos nicht so schnell los. Wenn filmische Inszenierungen es schaffen, unseren Blick für die Wirklichkeit zu schärfen, bauen sie Brücken in viele verschiedene Lebenswelten, die sich auch in der Realität finden lassen.
Im Rahmen der Ringvorlesung Brücken bauen in angespannten Zeiten – aber wie?, veranstaltet vom Weltethos-Institut im Studium Generale der Universität Tübingen, laden wir herzlich ein: ab Mittwoch, den 15. Oktober 2025, jeweils um 18 Uhr c.t. im Kupferbau (Hörsaal 25)
| Datum: | 28.01.2026 |
| Veranstaltungsort: | Kupferbau HS 25 |
| Uhrzeit: | Von 18:15 bis 19:45 |