Mitglied der Chefredaktion-SDZ Mediengruppe Aalen
Die Marktmacht der Techkonzerne und das damit verbundene Mediennutzungsverhalten greifen eine zentrale Säule der Demokratie an. Der Journalismus kämpft vielerorts um sein Überleben. Die Asymmetrie ist dabei mehr als nur eine ökonomische: Im Gegensatz zu den Internetplattformen folgt der Journalismus zahlreichen rechtlichen, berufsständischen und ethischen Regeln, Standards und Maximen. Lokalzeitungen werden darüber hinaus ihrer besonderen Verantwortung gegenüber den Menschen vor Ort gerecht.
Kann all das aufrechterhalten werden?
Die These lautet: Ethos und das daraus erwachsende Vertrauen sind ein Vorteil im Kampf Davids gegen Goliath. In der Vorlesung wird gezeigt, mit welchen Strategien auch kleine Lokalzeitungen versuchen, sich zu behaupten. Wie bedienen sie systematisch die Bedürfnisse ihrer Leserinnen und Leser sowie unterschiedlicher Zielgruppen, ohne dabei das Gemeinwohl aus dem Blick zu verlieren? Wie gestalten sie die digitale Transformation und nutzen bereits heute Künstliche Intelligenz im Redaktionsalltag? Welche Rolle spielen dabei der Mensch und das Menschliche? Und warum hätte es auf lokaler Ebene keinen Fall Relotius gegeben?
Unsere Vorlesung „Medien, Macht und Menschlichkeit“ im Rahmen des Studium Generale der Universität Tübingen – ab April immer dienstags im Kupferbau.
Medien waren noch nie neutral: Sie sind politischer Machtfaktor, wirtschaftlicher Marktplatz und kultureller Mitgestalter unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie sind zugleich Gegenstand, Spiegel und Akteur kultureller und politischer Verhältnisse. Derzeit verändert sich unsere Medienlandschaft unter dem Einfluss der Digitalisierung rasant. Digitale Plattformen steuern Informationsflüsse, prägen soziale Beziehungen, verändern Geschäftsmodelle und beeinflussen die Dynamik öffentlicher Debatten.
Algorithmen, Plattformmonopole und KI-generierte Inhalte bestimmen zunehmend, welche Themen sichtbar werden, welchen Stimmen Gehör bekommen oder welche Perspektiven am Rande der Wahrnehmung bleiben. Neue digitale Gewohnheiten und Abhängigkeiten setzen dabei nicht nur Medienschaffende und ihr journalistisches Ethos unter Druck, sondern wirken auf uns alle.
Umso wichtiger ist es, die Rolle der Medien und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu verstehen.
Wir laden dazu ein, gemeinsam zu reflektieren:
Die Aufzeichnungen der bisherigen Veranstaltungen finden Sie auf TIMMS, dem Tübinger Internet MultiMedia Server.
Stefanie Schneider, Landessenderdirektorin SWR
14.07.2026 - 18:15 - 19:45
Kupferbau, Universität Tübingen, Hörsaal 25
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