Warum Geschichten überzeugen

Narrative Kognition und öffentliche Wirklichkeit

Prof. Dr.
Markus Huff

Leibniz-Institut für Wissensmedien an der Universität Tübingen

Warum überzeugen Geschichten oft stärker als bloße Fakten? Der Vortrag geht dieser Frage aus der Perspektive der kognitiven Psychologie nach. Im Zentrum steht die Idee, dass Menschen Informationen nicht als isolierte Einzelheiten verarbeiten, sondern als zusammenhängende Ereignisse und Narrative. Solche Ereignismodelle strukturieren das Verstehen, ermöglichen Vorhersagen und prägen, wie die gesellschaftliche Wirklichkeit wahrgenommen wird.

 

Anhand aktueller Forschung zu narrativer Kognition und Desinformation zeigt der Vortrag, warum einmal etablierte Erzählungen häufig stabil bleiben – selbst dann, wenn einzelne Informationen korrigiert werden. Dabei wird deutlich, weshalb öffentliche Debatten nicht allein durch Fakten bestimmt werden, sondern durch die Art und Weise, wie Informationen narrativ organisiert und in bestehende Deutungszusammenhänge eingebettet werden.

Ringvorlesung
im Sommer

Unsere Vorlesung „Medien, Macht und Menschlichkeit“ im Rahmen des Studium Generale der Universität Tübingen – ab April immer dienstags im Kupferbau.

Medien waren noch nie neutral: Sie sind politischer Machtfaktor, wirtschaftlicher Marktplatz und kultureller Mitgestalter unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie sind zugleich Gegenstand, Spiegel und Akteur kultureller und politischer Verhältnisse. Derzeit verändert sich unsere Medienlandschaft unter dem Einfluss der Digitalisierung rasant. Digitale Plattformen steuern Informationsflüsse, prägen soziale Beziehungen, verändern Geschäftsmodelle und beeinflussen die Dynamik öffentlicher Debatten. 

Algorithmen, Plattformmonopole und KI-generierte Inhalte bestimmen zunehmend, welche Themen sichtbar werden, welchen Stimmen Gehör bekommen oder welche Perspektiven am Rande der Wahrnehmung bleiben. Neue digitale Gewohnheiten und Abhängigkeiten setzen dabei nicht nur Medienschaffende und ihr journalistisches Ethos unter Druck, sondern wirken auf uns alle. 

Umso wichtiger ist es, die Rolle der Medien und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu verstehen.  

Wir laden dazu ein, gemeinsam zu reflektieren:  

  • Wie verändert sich die Medienwirtschaft – und mit ihr unser demokratisches Zusammenleben? 
  • Welche Macht entfalten Algorithmen und Deepfakes für die öffentliche Meinungsbildung und die Entstehung alternativer Öffentlichkeiten? 
  • Wie können Medien Räume für Dialog und eine konstruktive Streitkultur eröffnen, statt Polarisierung und Entfremdung zu verstärken? 

 

Die Aufzeichnungen der bisherigen Veranstaltungen finden Sie auf TIMMS, dem Tübinger Internet MultiMedia Server.

Nächste
Veranstaltungen

14. Juli

Journalistisches Ethos im Überlebenskampf der lokalen Zeitungen

Dr. Gernot Stegert,
Mitglied der Chefredaktion SDZ Mediengruppe Aalen

21. Juli

Öffentlich-Rechtlicher Journalismus zwischen Freiheit und demokratischem Auftrag

Stefanie Schneider,
Landessenderdirektorin SWR

Datum:

07.07.2026 - 18:15 - 19:45

Ort:

Kupferbau, Universität Tübingen, Hörsaal 25