„Brücken bauen in einer Welt im Wandel“ – Wirtschaftsethik zwischen Dialog, Innovation und Verantwortung
Tübingen, 30. September 2025 – Wie kann verantwortungsvolles Wirtschaften in Zeiten multipler Krisen gelingen? Wie gelingt es Führungspersönlichkeiten, Orientierung zu geben – zwischen ethischem Anspruch, technologischer Transformation und gesellschaftlicher Spaltung?Der Ambassador Community Day 2025 am Weltethos-Institut stand ganz im Zeichen des Brückenbaus: zwischen Menschen, Sektoren, Wertesystemen – und zwischen Realität und Ideal.
Unter dem Motto „Brücken bauen in einer Welt im Wandel“ kamen rund 40 Ambassadors, Partner und Mitglieder des Freundeskreises des Weltethos-Instituts zusammen. Sie diskutierten aktuelle Herausforderungen werteorientierter Unternehmensführung, tauschten Praxiserfahrungen aus und entwickelten gemeinsam neue Impulse für wirkungsvolles, ethisch fundiertes Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft.
Eröffnet wurde der Weltethos Community Day durch Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Direktor des Instituts, und Dr. Christopher Gohl, Geschäftsführer, die die Veranstaltung als „Werkstatt des Brückenbaus“ positionierten: als einen Ort, an dem Wissenschaft und Praxis zusammenkommen, um tragfähige Wege aus der Komplexität unserer Zeit zu entwickeln.
In ihrer Keynote „Dialogfähigkeit als Brücke in Zeiten von Dissens“ gab Anna Tomfeah, Kommunikationsleiterin des Instituts, einen pointierten Impuls:„Die globalen Herausforderungen lassen sich nur durch produktiven Dissens, nicht durch Einheitsdenken bewältigen.“Sie plädierte für eine neue Dialogkultur in Unternehmen und Organisationen – mit konkreten Werkzeugen zur dialogischen Führung und zum Umgang mit Spannungsfeldern in diversen Teams.
Anschließend öffnete der Community-Dialog den Raum für persönlichen Austausch: Wo gelingen Brücken zwischen Kulturen, Perspektiven, Interessen? Wo scheitern wir – und warum? Die Teilnehmer*innen teilten Erfahrungen, Zweifel und Inspirationen, die das zentrale Anliegen des Tages greifbar machten: Ethik ist kein Leitbild auf Papier, sondern ein Handlungsprinzip im Alltag.
In den Werkstatt-Stationen wurde dieses Prinzip praxisnah vertieft:
Der Tag fand seinen öffentlichen Abschluss in der prominent besetzten Podiumsdiskussion „Werte, Wirtschaft, Wirklichkeit – Unternehmen zwischen Prinzipien und Realpolitik“.
„Die sorglosen Jahre sind vorbei.“ Mit dieser klaren Aussage eröffnete Dr. Andreas Möller, Chief Communications and Public Affairs Officer TRUMPF SE & Co. KG, die Diskussion über die Zukunft werteorientierter Unternehmensführung und sprach damit seinen Ko-Referen*innen und vielen anwesenden Führungskräften aus dem Herzen. Denn Spielräume für unternehmerische Verantwortung sind im internationalen Wettbewerb und der aktuellen Wirtschaftslage in deutschen Unternehmen kleiner geworden. Gelebte Werte seien zwar wichtig, aber Wertschöpfung und Wettbewerb sind die Garanten für Arbeitsplätze und somit auch für soziale Verantwortung – so der allgemeine Konsens.
Unter dem Titel „Werte, Wirtschaft, Wirklichkeit – Unternehmen zwischen Prinzipien und Realpolitik“ diskutierten drei profilierte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kommunikation, wie Unternehmen in einem angespannten globalen Umfeld navigieren können – zwischen moralischem Anspruch und ökonomischer Notwendigkeit.
Einstimmige Einschätzung der Experten: Die Welt hat sich verändert – der internationale Wettbewerb ist härter denn je, Wohlstandsverwöhnung und Komplexität lähmen Innovation und Umsetzungskraft. Für Heidrun Haug ist klar: Unternehmen müssen nicht nur über Werte sprechen, sondern auch beweisen, dass sie leistungsfähig, agil und glaubwürdig sind – national wie international, dabei müssen Werte teilweise auch überdacht und auf ihre Aktualität und Zukunftsfähigkeit hin überprüft werden. Dies sei eine wichtige, aber keine vorrangige Aufgabe in einer Zeit, in der es vor allem darum gehe, in Zeiten schwieriger Auftragslagen das Unternehmen zu sichern. Dennoch können gerade gemeinsame Werte und Arbeit an der gemeinsamen Zukunft dabei helfen, den Mut und die Innovationslust zu verlieren, so Haug.
Achim Mey, Geschäftsführer der Mey Generalbau GmbH und Weltethos Ambassador, plädierte für einen mentalen Wandel in der deutschen Wirtschaft: „Wir müssen raus aus der Vollkaskomentalität. Wir brauchen wieder ein positives Verhältnis zu Leistung.“ Wer Verantwortung übernehme – für Mitarbeitende, Region und Gesellschaft – müsse auch bereit sein, unternehmerisches Risiko zu tragen und Veränderungen mutig anzugehen. Mey berichtete von einem chinesischen Unternehmer, der sich überlege, bei einem in Deutschland gefertigten Produkt das Label „Made in Germany“ zu entfernen – weil es für ihn inzwischen für „zäh, kompliziert und nicht innovativ“ stehe. Ein Zeichen, dass sich dringend etwas ändern müsse.
Dr. Andreas Möller betonte die Bedeutung realistischer Standortanalysen: „Werte sind wichtig – aber wir müssen anerkennen, dass sie weltweit unterschiedlich interpretiert werden. In der aktuellen Lage geht es weniger um Moral, als um Innovation, Effizienz und eine nüchterne Einschätzung der eigenen Potenziale.“
Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Bernd Villhauer, der die Debatte zwischen unternehmerischem Pragmatismus und ethischer Orientierung präzise einordnete: „Weltethos bedeutet nicht, sich aus der Realität herauszuträumen – sondern mit Haltung in ihr zu bestehen.“
Der Ambassador Community Day 2025 hat gezeigt: In einer Welt im Wandel braucht es nicht weniger Ethik – sondern mehr Mut, sie in komplexen Situationen zur Geltung zu bringen. Ob im Dialog, in der Führung, in der Technologie oder in der Bauwirtschaft – Brücken zu bauen ist keine rhetorische Floskel, sondern tägliche Führungsarbeit.
Das Team des Weltethos-Instituts bedankt sich bei allen Teilnehmenden, Referent*innen und Gästen für ihr Engagement, ihre Perspektiven und ihre Bereitschaft, gemeinsam an einer verantwortungsvollen Wirtschafts- und Gesellschaftskultur mitzubauen.
Fotos: Laura Winter / Weltethos-Institut
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