Der Verein der Freunde des Weltethos-Instituts hat die ideelle und materielle Förderung der Arbeit des Weltethos-Instituts als Ziel. Er eröffnet zusätzlich den Mitgliedern den Erfahrungsaustausch untereinander und bietet die Möglichkeit, aktuelle Themen zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen. Die Mitglieder erhalten Einblick in die Entwicklungen des Instituts und können Vorschläge für die zukünftige Programm- und Öffentlichkeitsarbeit einbringen. Der Verein lädt regelmäßig zu den Sitzungen Referenten ein, um über aktuelle Themen zu diskutieren.
Mitglied kann jeder/jede werden, der/die sich mit den Vereinszielen identifiziert, besonders Persönlichkeiten, die
- in einem Unternehmen oder einer Organisation die Weiterentwicklung des ethischer Unternehmensführung leiten oder beeinflussen wollen
- im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit wirtschaftliche und gesellschaftliche Ethik im Fokus haben
- in der Gesellschaft Ihren Beitrag zum gelingenden Miteinander und zur Förderung ethischen Verhaltens leisten wollen.
Wollen Sie die Zukunft verantwortungsbewusst mitgestalten? Senden Sie uns bitte einen ausgefüllten Mitgliedsantrag an Dr. Bernd Villhauer.
AKTUELLES
Einladung zum nächsten Treffen im Freundeskreis am 27. Januar 2026
Rückblick auf das letzte Treffen
„Kompromisse – wie können wir die Welt ein bisschen besser machen?
Am 9. Dezember 2025 haben wir im Freundeskreis des Weltethos-Instituts einen intensiven Austausch erlebt. 20 Menschen aus Tübingen und Umgebung sprechen miteinander und mit dem neuen Direktor – Prof. Nils Goldschmidt – über folgende Leitfrage: Inwiefern taugt das Prinzip „Kompromiss“ als gangbaren Weg angesichts der Vielzahl von Problemen und wachsenden Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft?
Einstiegsrunde: Bilder vom Kompromiss
Zu Beginn sind alle eingeladen, einen zentralen Begriff zu nennen, den sie mit „Kompromiss“ verbinden. „Blockaden sichtbar lösen“, „Schritt nach vorne“, „Respekt“, „Vertrauen“, „Zusammenarbeit“, „Dialog“, „Geben und Nehmen“ und „faule Kompromisse“. Diese erste Sammlung zeigte: Ein Kompromiss wird einerseits als notwendiger Brückenbau verstanden, der Zugehen, Verzicht auf Teile der eigenen Interessen und Bereitschaft zum Zuhören voraussetzt; andererseits bleibt die Skepsis, ob Kompromisse wirklich Fortschritt bedeuten oder nur Stillstand und Verschleierung von Machtungleichgewichten.
Bernd Villhauer stellt in seinem Impuls die Kategorien von Kompromiss und Konsens gegenüber. Im Alltag gelingen einfache Kompromisse meist mühelos – etwa bei der Frage, auf welche Konferenz-Sprache man sich als internationale Gruppe verständigt. Solche Entscheidungen sind variabel und überschaubar in ihrer Konsequenz. Schwieriger wird es dort, wo die Interessengegensätze langfristige Folgen für einzelne Gruppen haben und mit realen Kosten, Privilegien und Machtpositionen verbunden sind, etwa bei Rentenpolitik, Klimaschutz oder Migrationsfragen.
Deutlich wird, dass Kompromisse nicht ohne die Dimension von Macht und Durchsetzung zu verstehen sind: Wer definiert die Themen, wer verfügt über Deutungsmacht in Medien, Parteien und Institutionen, und wer zahlt den Preis eines Kompromisses? Als Beispiel dient hierzu die aktuelle Auseinandersetzung um die Rentenreform, bei der Abgeordnete der Jungen Union nur „zähneknirschend“ zustimmen, während andere dagegen stimmen, um nicht das Gesicht zu verlieren.
Demokratische Streitkultur und „zweitbeste Lösungen“
Was wäre ein besserer Weg? Hierzu erläutert Nils Goldschmidt den Kerngedanken, den in seinem Vortrag „Kompromisse. Warum die Wahrheit uns nicht retten wird“ am 4. November ausgeführt hat: Nicht die eine Wahrheit, sondern dialogische Suchbewegungen und tragfähige zweitbeste Lösungen machen demokratisches Zusammenleben stabil.
Ausgehend von seiner These diskutiert die Gruppe, wie eine konstruktive Streitkultur aussehen kann, wenn man akzeptiert, dass in pluralistischen Gesellschaften selten eine für alle überzeugende „beste“ Lösung existiert. Entscheidend ist vielmehr, Lösungen zu finden, welche ideologischen Absolutheitsansprüchen widerstehen und genügend Offenheit lassen, um später nachzusteuern. Die „zweitbeste Lösung“ wird damit nicht als Niederlage, sondern als demokratischer Erfolg verstanden: Sie verhindert Blockaden, hält Gesprächskanäle offen und respektiert, dass unterschiedliche Lebenslagen und Werte nicht vollständig vereinheitlicht werden können.
Zugehörigkeit, Wohlstand und Demokratiezufriedenheit
Jens Schaumann geht in seinem Statement auf eine zitierte Studie von Nils Goldschmidt ein, welche die Zusammenhänge zwischen Zugehörigkeitsgefühl, wirtschaftlicher Lage, Zufriedenheit und Funktionsfähigkeit des Staates beleuchtet. Internationale und deutsche Befunde zeigen, dass subjektive soziale Sicherheit, Vertrauen in Institutionen und erlebte Gerechtigkeit zentrale Faktoren für Demokratiezufriedenheit und politische Teilhabe sind. Menschen mit geringem Einkommen, niedriger Bildung oder unsicherer Beschäftigung fühlen sich oft weniger vertreten und beteiligen sich seltener politisch – ein Muster, das auch für die Bundesrepublik nachgewiesen wurde.
Die Teilnehmer/innen stimmen darin überein, dass wir Deutsche unsere Lage pessimistischer sehen, als es objektive Indikatoren nahelegen würden, etwa im Vergleich mit früheren Generationen oder anderen EU-Staaten. Die starke mediale Fokussierung auf Skandale und Krisen, die hohe Taktung politischer Konflikte sowie der Eindruck, „bei Kompromissen immer zu verlieren“, tragen zu einem neutral-negativen Grundgefühl gegenüber demokratischen Prozessen bei. Demnach bedarf es attraktive Formate für die öffentliche Diskussion bestimmter Reiz-Themen, wo Menschen alle Bevölkerungsgruppen eingeladen sind, ihren Unmut bzw. ihre Sorgen und Wünsche frei zu äußern – um dort in der Gemeinschaft zugleich zu erfahren, welche positive Fakten, alternative Lösungen und vorhandene Beteiligungsmöglichkeiten es gibt.
Systemisches Konsensieren als Praxisbaustein
Claudia Maas stellt hierzu die Methode des Systemischen Konsensierens vor. Diese ermöglicht es in heterogenen Gruppen, zustimmungsfähige Entscheidungen zu treffen. Dabei bewerten die teilnehmenden Personen die verschiedene Optionen zunächst quantitativ auf einer Skala des Widerstands. Gewählt wird die Variante, die insgesamt auf den geringsten Widerstand stößt.
An einem alltagsnahen Beispiel – der Frage, wann dieser Abend im Freundeskreis offiziell enden soll – werden die drei Zonen erlebbar gemacht: „Das ist für mich richtig gut“, „Das kann ich akzeptieren“ und „Das geht gar nicht“. Die Gäste zeigen jeweils körpersprachlich (kein Arm, ein Arm, beide Arme oben), wie ihre Zeit-Vorstellung für diesen Abend aussieht. In Sekunden wird somit sichtbar, wie die Gruppe „tickt“, ohne dass jemand seine Position wortreich rechtfertigen muss.
In der Auswertung dieser kurzen Demonstration wird deutlich: Erst wenn klar ist, wo der größte Widerstand liegt, kann inhaltlich gefragt werden, wie sich dieser reduzieren lässt – etwa durch begleitende Maßnahmen, Übergangsfristen oder zusätzliche Unterstützungsangebote. Für gesellschaftlich kontroverse Themen eröffnet die Methode die Chance, Entscheidungen zu treffen, die weniger Polarisierung erzeugen, weil sie nicht „Gewinner“ und „Verlierer“, sondern ein möglichst tragfähiges Minimum an Widerstand im Blick haben.
Mit diesen Erkenntnissen ins Handeln kommen
In der Abschlussrunde werden einige Vorschläge geäußert, wie das an diesem Abend entstandene Wissen auf komplexe politische Felder übertragen werden können. Denn es gilt, in- und über Tübingen hinaus primär solche Personen zu erreichen, die eine negative Grundhaltung zu unserer Demokratie und derzeitigen Regierung entwickelt haben. Das Jahresthema des Weltethos-Institut für das kommende Jahr eignet sich hierfür hervorragend: „Medien-Macht-Menschlichkeit“.
Am 27. Januar 2026 sprechen wir von 19-21:00 im Rahmen unserer Jahresmitgliederversammlung darüber, welche konkreten Aktivitäten sich hieraus für den Freundeskreises ableiten lassen. Hierzu sind alle Mitglieder des Vereins, Freunde und Interessierte herzlich eingeladen.
Wir wünschen wir Euch/Ihnen alles Gute für 2026. Bleiben wir zuversichtlich!
Frank Müller, Claudia Maas, Jens Schaumann und Bernd Villhauer
9. Dezember 19:00 – 21:00 im Weltethos-Institut
Mit Prof. Nils Goldschmidt möchten wir die Thesen seiner Antrittsvorlesung vom 5. November aufgreifen und gemeinsam diskutieren.
Im Mittelpunkt steht seine spannende Frage:
Wie lassen sich Kompromisse bei heiklen gesellschaftlichen Themen so gestalten, dass sie nicht als bloße Notlösung wirken, sondern als Ausdruck von Weitsicht und Verantwortung?
Und was meinen wir dazu?
- Bei welchen aktuellen Themen – auch hier in Tübingen – könnte es klüger oder nachhaltiger sein, nicht unbedingt auf die „eine Wahrheit“ oder perfekte Lösung zu drängen?
- Was braucht es, damit ein Kompromiss nicht als fauler Kompromiss, sondern als echter Mehrwert für alle wahrgenommen wird – und damit zu einem friedlichen Miteinander beiträgt?
Wir freuen uns auf eure Erfahrungen, Perspektiven und Beiträge – gerne ernsthaft, kontrovers oder auch mit einer Prise Humor.
Der Vorstand des Freundeskreises sorgt für eine entspannte Atmosphäre und natürlich für leckere Bewirtung
Herzlichst
Frank Müller, Claudia Maas, Jens Schaumann und Bernd Villhauer
Der Vorstand

Frank Müller
(Vorstandsvorsitzender)
Schwerpunkte: Allgemeine Fragen zum Verein, Personalentwicklung und Prozessbegleitung

Jens Schaumann
(stellvertretender Vorsitzender)
Schwerpunkte: Strategie- und Leitbildentwicklung und Kommunikation

Dr. Bernd Villhauer
(Kassenwart)
Schwerpunkte: Ethics in Finance, Nachhaltige Vermögensverwaltung

Claudia Maas
(Weltethos-Ambassadorin)
Schwerpunkt: Zusammenarbeit im Team