An-Institut der Stiftung Weltethos
an der Universität Tübingen

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Cassandra-Projekt

Das Team der Studie „Krisenfrüherkennung durch Literaturauswertung“ um Prof. Dr. Jürgen Wertheimer arbeitet seit 2017 daran, literarische Texte als Prognoseinstrumente im Bereich der Gewalt-Prävention nutzbar zu machen. Die Studie geht von der Annahme aus, dass literarische Texte bereits sehr früh auf innergesellschaftliche Bruchlinien und Gefährdungsmomente verweisen – oft schon Jahre bevor es zu Gewalttaten kommt.

Das Projektteam: Isabelle Holz, Prof. Dr. Wertheimer, Florian Rogge

Das „Projekt Cassandra“ ist nun eine daraus entstandene Kooperation des Bundesverteidigungsministeriums und des Weltethos-Instituts zur Krisenfrüherkennung und Gewaltprävention. Es analysiert mit praxisbezogenen Fragestellungen Literaturen krisengefährdeter Regionen. 2019 lag der Schwerpunkt auf den Regionen Nigeria, Maghreb/Algerien und Kosovo sowie Georgien/Armenien.

Krisen erkennen durch Literatur?

Durch eine konfliktfokussierte Text- und Rezeptionsanalyse lässt sich ein „Stimmungsbild“, eine Emotion-Map, der jeweiligen Fokus-Region erstellen. Dahinter steckt die Idee, die Ausprägungen jener Parameter sichtbar zu machen, die konfliktgetöntes Verhalten von Gruppen – bewusst oder unbewusst – steuern. Im Fokus stehen das Herausarbeiten gesellschaftsrelevanter Themen, die Frage nach sich verändernden Erzählstrukturen, neuen Identitätskonstruktionen, Referenzgeschichten, die Analyse der Rezeptionsräume, der emotionalen Befindlichkeiten etc. Auf diese Weise können Gewaltpotenziale, etwa durch die vermehrte Produktion und Rezeption „destruktiver“ Texte, früh erkannt werden. Ziel des Projektes ist das frühzeitige Erkennen eben dieser Gewaltpotenziale und die Einschätzung ihrer Dynamik.

Das Team des Cassandra-Projekts bei einer Tagung des Goethe-Instituts in Paris