Rund 150 Gäste kamen am Mittwochabend zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Nils Goldschmidt, dem Direktor des Weltethos-Instituts, in die Räume an der Hinteren Grabenstraße. Unter dem Titel „Kompromisse. Warum die Wahrheit uns nicht retten wird“ sprach der Ökonom, der auch Mitglied im Deutschen Ethikrat, ist über die zentrale Bedeutung von Kompromissfähigkeit für eine demokratische, gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft. In Zeiten, in denen machtppolitische Deals Gewinner und Verlierer erzeugen, sei es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass im Kompromiss unterschiedliche Interessen in Einklang gebracht werden. Besonders in einer Zeit, in der einfache Wahrheiten und polarisierende Stimmen lauter werden, so Goldschmidt, brauche es die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen.
In seinen Ausführungen machte Goldschmidt deutlich, dass Konflikte nicht durch selbstgerechte Wahrheiten gelöst werden und Gesellschaften nicht durch das Beharren auf die eigene Position gelingen. „Es ist die Bereitschaft zum Dialog, das gemeinsame Wirken und die Kunst des Kompromisses, die unser Zusammenleben trägt“, betonte er. Kompromisse seien kein Ausdruck von Schwäche, sondern von ethischer Reife und demokratischer Stärke – und letztlich auch ein Beitrag zu wirtschaftlicher Stabilität. Untermauert wurde das im Vortrag auch durch einen ersten Einblick in eine in Kürze erscheinende Studie, die er mit seinem Team erarbeitet hat. Die Studie zeigt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Zusammenhalt und ökonomischer Wirtschaftsleistung gibt. Märkte seien ohnehin Orte gelebter Kompromissfindung: „Märkte bringen die Interessen von Nachfragern und Anbietern zusammen, sie schaffen einen Abgleich von Interessen. Natürlich findet nicht jedes Kompromissangebot einen Kompromissnachfrager, aber die Grundidee von Märkten ist genau das: so viele Kompromisse wie möglich zum gegenseitigen Vorteil zu schließen.“
Grußworte und hochrangige Gäste
Eröffnet wurde der Abend durch Rektorin Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die in ihrem Grußwort die Rolle des Weltethos-Instituts als Ort des Dialogs zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft hervorhob. Prof. Dr. Bernd Engler, Präsident der Stiftung Weltethos, würdigte Goldschmidts Ansatz, ökonomisches Denken mit ethischer Verantwortung zu verbinden: „In einer Zeit globaler Spannungen braucht es Stimmen, die zeigen, dass Wirtschaft und Ethik sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig bedingen.“
Dr. Philipp Bocks, Vorstand der Karl Schlecht Stiftung, betonte in seinem Grußwort die zentrale Bedeutung des Weltethos-Instituts für den Stifter Karl Schlecht. Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer (Universität Freiburg) würdigte Goldschmidt als Grenzgänger, der „in Gesprächen über den Gartenzaun“ als Grenzgänger zwischen den Disziplinen der Ökonomie, der Theologie wertvolle Beiträge an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Ethik und Gesellschaft leistet.
Zu den Gästen der Antrittsvorlesung zählten weiterhin zahlreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – darunter Prof. Dr. Stefan Kolev, Mitglied im wissenschaftlichen Beraterkreis des Bundeswirtschaftsministeriums, Dr. Katrin Schlecht, Vorstandsvorsitzende der Karl Schlecht Stiftung, Landrat Dr. Bednarz, Sozialbürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel, Bernhard Siebold, Vorsitzender des Universitätsrates, Dekan Prof. Dr. Dominik Papies, sowie Dr. Uta Eser, Mitglied im Deutschen Ethikrat.
Auch Daniel Lede Abal, Mitglied im Landtag Baden-Württemberg, sowie Tübinger Gemeinderats- und Aufsichtsratsmitglied der Wirtschaftsförderung WIT, Heinrich Riethmüller, nahmen an der Veranstaltung teil. Vertreterinnen und Vertreter werteorientierter Unternehmen – z.B. Achim Mey, Heidrun Haug und Dr. Jörg Leute – allesamt Weltethos Ambassadoren, die mit ihrer Anwesenheit die gelungene Verbindung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Werteorientierung am Weltethos-Institut unterstrichen.













Fotos: Laura Winter / Weltethos-Institut