Unmut über Gabriels Haltung zu CETA und TTIP Einige Mitglieder des von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Ende Mai 2014 einberufenen TTIP-Beirats ärgern dessen jüngste Äußerungen zu den geplanten, derzeit in der öffentlichen Diskusion stehenden transatlantischen Freihandelsabkommen CETA und TTIP. In einem Brief äußern sie sich irritiert, denn Gabriel sei offenbar der Meinung, dass auch Deutschland dann den hoch umstrittenen Verträgen zustimmen müsse, wenn das die anderen europäischen Mitgliedstaaten täten. Wörtlich: “Eine solch apodiktische Haltung löst bei uns die Frage aus, welche Funktion ein TTIP-Beirat hat, wenn die Bundesregierung entweder sich den Entscheidungen der anderen Mitgliedstaaten anschließt oder aber in ihrer Haltung bereits festgelegt ist”, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presseagentur vorliegt – zunächst hatte das Handelsblatt (Online-Ausgabe) darüber berichtet. Die Unterzeichnenden, die Vorsitzenden von Verdi, DGB und IG Metall, Bsirske, Hoffmann und Wetzel, die Transparency-International-Vorsitzende Edda Müller, und der Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, weisen darauf hin, dass sie “unter Rechtfertigungszwängen gegenüber unseren Mitgliedern stehen und diesen erläutern müssen, warum wir in einem TTIP-Beirat mitwirken, wenn der Eindruck vermittelt wird, dass alle wesentlichen Entscheidungen bereits getroffen sind”. Dass Wirtschaftsminister Gabriel fast nur die Vorzüge von TTIP und Ceta betont, sorgt für Ärger bei den Fachleuten, die er selbst berufen hat. Diese wollen in der nächsten Beirats-Sitzung am 14.01.2015 die offenen Fragen diskutieren – beispielsweise,
Scheitern von TTIP wäre für Gabriel verheerend Beim nächsten Parteitag könnte es für Gabriel in Sachen TTIP und CETA eng werden, mutmaßt das Handelsblatt. Daher veranstalten Partei und Fraktion im Februar eine gemeinsame Diskussionsrunde im Willy-Brandt-Haus. Inzwischen hat bereits mehr als eine Million Bürger gegen die Abkommen unterschrieben, weil sie fürchten, dass hohe Standards bei Lebensmitteln, Umweltschutz oder Arbeitnehmerrechten auf niedrigstem Niveau angeglichen werden. Dazu kommt die geheime unanfechtbare Gerichtsbarkeit, mit deren Hilfe diese Bewegung nach unten festgeschrieben werden kann. Beispielsweise könnte das umstrittene Fracking bei uns seitens der interessierten Firmen durchgedrückt werden. CETA (mit Kanada) gilt zwar als Blaupause für das große Handelsabkommen TTIP zwischen EU und USA, das laut EU im dann größten Wirtschaftsraum der Welt neue Jobs sowie mehr Wachstum schaffen soll. dafür gibt es aber keinen harten Beleg – die oft vorgetragenen haben sich alle als haltlos oder unzutreffend erwiesen. Gabriel fürchtet, dass die EU Leidtragende sein könnte, wenn TTIP nicht vor Obamas Präsidentschaftsende unterschrieben ist und die USA sich dann dem pazifischen Raum zuwenden würden – seine Schreckensvision: „Sind wir als Europäer draußen, dann ist das für eine Exportnation wie Deutschland eine mittlere Katastrophe“, sagte er im November im Bundestag, und er sieht Hunderttausende Arbeitsplätze in der Industrie gefährdet. „Wenn wir das hier falsch machen, werden unsere Kinder uns verfluchen.“
Das Handelsbaltt: „Ein Scheitern von TTIP wäre auch für Gabriels Ansehen verheerend, weil er als Wirtschaftsminister das lädierte SPD-Wirtschaftsprofil mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 aufpolieren will.“
Dem TTIP-Beirat gehören 22 Vertreter von Gewerkschaften, Sozial-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden sowie des Kulturbereichs an. Das Gremium berät über die fortlaufenden Verhandlungen zur geplanten Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft und soll laut Bundeswirtschaftsministerium „zur deutschen Positionierung beim TTIP-Abkommen beitragen“.
Die Mitglieder des TTIP-Beirats:
->Quellen:
Dr. Hofmann war bis 2008 TV-Redakteur, u.a. ARD-Korrespondent Südamerika und Chefreporter SWF, Chefkorrespondent n-tv und RTL. Als Chef der Agentur Zukunft, berät im Bereich der erneuerbaren Energien und Nachhaltigen Entwicklung, u.a. die Desertec Initiative Dii, das IASS Potsdam, acatech und die Max-Planck-Gesellschaft.
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