An-Institut der Stiftung Weltethos
an der Universität Tübingen

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Klimawandel Thema bei Bankentreffen – Fed tritt NGFS bei

Klimawandel: AKW Obrigheim – Foto © Gerhard Hofmann

Erderwärmung in Finanzbranche angekommen

Inzwischen ist der Klimawandel auch bei internationalen Banken-Treffen ein wichtiges Thema – am 20.11.2020 auch erstmals beim traditionellen European Banking Congress in Frankfurt – so Rolf Obertreis in der Frankfurter Rundschau. Notenbanker und Banker seien sich einig gewesen, dass die Risiken des Klimawandels erheblich sind und entsprechend berücksichtigt werden müssten.

„Ich glaube fest, dass Zentralbanken mit Blick auf den Klimawandel mehr tun können und sollten, als sie bisher getan haben“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Er habe allerdings erneut eine aktive Rolle der Notenbanken im Kampf gegen den Klimawandel abgelehnt.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing habe betont, die Geldinstitute seien Teil der Lösungen, zumal der Bedarf zur Finanzierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel riesig sei. Weidmann zufolge könnte ein aktives Eintreten der Notenbanken gegen Klimawandel, mit dem Hauptziel der Geldpolitik kollidieren, die Preisstabilität zu sichern. Außerdem sei es nicht Aufgabe einer Notenbank, bestimmte Industrien zu fördern und andere zu bestrafen. Gefordert sei vor allem die Politik und hier in erster Linie die Fiskalpolitik. Notwendig seien angemessene Preise für Treibhausgas-Emissionen. Allerdings sieht der Bundesbank-Präsident die Notenbank gleichwohl in der Verantwortung. Klimarisiken und der Kampf gegen den Klimawandel könnten zu einer Herausforderung für die Preisstabilität werden….

Obertreis schließt: „Die Berücksichtigung von Klimarisiken ist derzeit ein wichtiges Thema der Strategie-Überprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB). EZB-Präsidentin Christine Lagarde fordert schon seit längerem ein stärkeres Engagement der EZB im Kampf gegen den Klimawandel, deutlich stärker als Weidmann.“…

DWS: Immer mehr Zentralbanken wollen beim Klimaschutz mitreden. Jetzt tritt auch die Fed dem mächtigen Network for Greening the Financial System (NGFS) bei.

In den vergangenen Jahren blieben die USA einigen Nachhaltigkeitsinitiativen und -organisationen unerfreulicherweise fern. Das scheint sich jedoch gerade zu ändern. In der vergangenen Woche erklärte die US Federal Reserve (Fed), dass sie einen Aufnahmeantrag zum Network for Greening the Financial System (NGFS) gestellt habe. Auch im jüngsten Finanzstabilitätsbericht der Fed wurde der Klimawandel erstmals als systemische Bedrohung anerkannt (siehe: https://www.ngfs.net/en/about-us/membership)

Das NGFS wurde im Dezember 2017 mit nur acht Zentralbanken und Aufsichtsbehörden als Gründungsmitglieder gegründet. Zwei Ziele des Netzwerks sind die Unterstützung bei der Entwicklung eines Klimarisikomanagements im Finanzsektor und die Mobilisierung privater wie öffentlicher Gelder zur Unterstützung des Übergangs zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Drei Jahre später ist der Club zu einer Gemeinschaft von Zentralbanken aus über 60 Ländern (siehe: https://www.ngfs.net/en/about-us/membership) angewachsen, die von den kleinen Seychellen bis zum großen China reichen und zusammen 58 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, wie das „Chart of the Week“ von DWS zeigt.

Mit dem Beitritt der US-Notenbank wahrscheinlich noch vor der nächsten Jahrestagung des NGFS im April 2021, wird der Club deutlich an Gewicht gewinnen, da er dann nicht nur fünf Kontinente umfasst, sondern auch schätzungsweise 74 Prozent des globalen BIPs und zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen repräsentiert. Dieser Mitgliedsantrag läutet einen Neustart ein, da die USA gewissermaßen aus dem Abseits kommen und sich künftig wieder mehreren Organisationen anschließen könnten, und sich damit neuen Verpflichtungen unterwerfen dürften.

Die Beteiligung der Zentralbanken an Nachhaltigkeitsthemen hat auch im Vorfeld des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 eine entscheidende Rolle gespielt. Seitdem gab es vom Club der Zentralbanken einige interessante Veröffentlichungen:

  • eine Forschungsagenda zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die makroökonomische und finanzielle Stabilität,
  • erste Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Geldpolitik,
  • Anforderungen an die Regierungen, bei den Covid-19-bedingten Stimuliprogrammen Nachhaltigkeit zu berücksichtigen,
  • eine Anleitung, wie die Aufsichtsbehörden Klima- und Umweltrisiken in ihre Aufsicht integrieren sollten,
  • eine Reihe von zentralen Klimaszenarien
  • Leitlinien dafür, wie das eigene Portfoliomanagement der Zentralbanken nachhaltige und verantwortungsbewusste Investitionen integrieren kann.

Michael Lewis, DWS Head of ESG Thematic Research: „Die Beteiligung der Fed wird sicherlich die Bemühungen der Zentralbanken beschleunigen, Finanzstabilität auch unter dem Gesichtspunkt von Klimarisiken zu beurteilen und zu überwachen, die Nachhaltigkeit ihrer eigenen Anlagen zu überprüfen und das Bewusstsein für Klimarisiken und -chancen zu stärken. Wir gehen zudem davon aus, dass die Bemühungen zunehmen werden, eine robuste und international konsistente Taxonomie nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten zu schaffen und die Offenlegungspflichten zu vereinheitlichen. Dies sollte institutionellen Anlegern dabei helfen, ihre Fonds an verlässlichen Nachhaltigkeitskriterien zu orientieren.“

->Quellen und kompletter Text: